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5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig

Abstrakt

Die Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) äußerte sich kritisch zum 5GAusbau. „Sehr gut ausgestattet“ würde Deutschland bereits durch ein flächen-deckendes 4G-Netz sein und „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“.[1]

Besondere Relevanz besitzt diese Problematik aufgrund ihrer Aktualität. Die mit der Einführung von 5G einhergehenden Veränderungen sind sehr weitreichend. Dementsprechend muss eine Diskussion des Zitats auf einer fachlich fundierten Basis erfolgen. Alleinstehend lässt sich die Äußerung Karliczeks aufgrund ihres metaphorischen und nichttechnischen Charakters nicht bewerten. Zuerst bedarf es einer genaueren Untersuchung des Kontextes, um eine Analyse durchführen zu können. Zu diesem Kontext gehören sowohl der Standpunkt Karliczeks speziell in der Debatte um 5G, als auch ihre Einstellung zum Fortschritt im Allgemeinen. Einführend werden Grundlagen der 5G-Technologie erläutert. Es wird gezeigt, dass sich Karliczeks Darstellungen im Widerspruch zu derzeitigen Entwicklungen, wie z.B. der fortschreitenden Digitalisierung in der Landwirtschaft, befinden. Abschließend werden Anwendungsszenarien mit 5G exemplarisch erläutert und es wird auf den Nutzen von 5G sowohl in urbanen als auch in ländlichen Regionen hingewiesen.

1. Einführung in das Thema

Das Interesse an 5G ist zurzeit so populär wie nie zuvor. Das liegt vor allem an den Versteigerungen der Lizenzen von 5G, bei denen über 6,5 Milliarden Euro ausgegeben wurden. [2]
Durch das große populistische Interesse wird jedoch oft ein falsches Bild von der neuen Entwicklungsstufe des Mobilfunks dargestellt. Aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von 5G ist es sehr komplex eine standardisierte Definition zu formulieren.
5G ist nicht nur eine Weiterentwicklung des aktuellen 4G-Standards, sondern vielmehr eine Technologie mit einem unglaublich großen Anwendungsspektrum. Hierbei steht weitestgehend die Datenkommunikation im Vordergrund. Aufgrund der neuen Anforderungen an das Netz stehen die Netzbetreiber unter immensen Druck den Bedarf an schnelleren Datenverbindungen bereitzustellen. [3]

Die Politik vermittelt aktuell oft falsche Anwendungsszenarien und Möglichkeiten der neuen Technologie. Aus diesem Grund ist die Intention der Arbeit die Aufarbeitung der Funktionsweise und Anwendungsmöglichkeiten von 5G. Weitergehend wird der Einfluss der Politik auf die neue Mobilfunktechnologie, mit Hilfe einer Aussage der Bundestagsabgeordneten Anja Karliczek (CDU), analysiert.
Die Sicht auf das Thema 5G ist aktuell oft noch sehr oberflächlich, wobei hier meist ein falsches Bild von 5G dargestellt wird. So sagte die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek beispielsweise
„5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“ [1].
Zum jetzigen Stand ist der Ansatz 5G flächendeckend bereitzustellen grundsätzlich nicht im Sinne der Technologie. Der flächendeckende Ausbau von 5G wird noch viele Jahre dauern und soll im aktuellen Ansatz kein Ersatz des momentanen Standards 4G darstellen. Vielmehr sollen die Mobilfunknetze 4G und 5G parallel laufen und sich gegenseitig ergänzen. Dabei soll 5G weniger dem flächendeckenden Ausbau dienen, sondern viel mehr den neuen Anforderungen der Kapazitäten, Hochverfügbarkeiten, Echtzeitkommunikation, Energieeffizienz und der steigenden Bandbreite gerecht werden. Der Einsatz des neuen Mobilfunkstandards ist jedoch gerade für ein solches Szenario, wie der Milchkanne, prädestiniert. Aktuell befindet sich die Landwirtschaft in einem digitalen Wandel. Die Digitalisierung bietet hier grundsätzliche Vorteile in der Steuerung und Überwachung des laufenden Betriebes. Die Landwirte können mit den gesammelten Daten frühzeitig entstehende Probleme erkennen und vorbeugen, dadurch kann heute schon der Ertrag eines Hektars Weizen um das Vierfache gesteigert werden.[4]

Durch diese Technologien ist es der Landwirtschaft möglich, viele Einflussfaktoren, die essenziell für den Erfolg sind, besser zu kontrollieren und die Qualität der Produkte frühzeitig zu überwachen. Bei diesem Thema wäre die Unterstützung der Politik von besonderer Wichtigkeit, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben.

2. Grundlagenwissen: 5G

Der grundsätzliche Unterschied zum Vorgänger 4G ist die Architektur. Das neue Mobilfunknetz kann sich an die individuellen Anforderungen vor Ort anpassen und die verschiedenen Use Cases, wie zum Beispiel ein Netz mit sehr kurzen Antwort und Reaktionszeiten in Echtzeit für autonomes Fahren, abbilden. An einem anderen Standort kann dann wiederum ein stark breitbandiges Netz mit großer Kapazität errichtet werden. Allerdings ist zu beachten, dass das 5G Netz aufgrund der aktuell verfügbaren Frequenzen nicht ohne Weiteres flächendeckend ausgebaut werden kann. Es wäre aktuell kommerziell und ökonomisch nicht rentabel, da die Anzahl der verfügbaren Funkmasten mehr als verzehnfacht werden müssten. [1] Im Vergleich zu den vorhergehenden Mobilfunkstandards bietet 5G jedoch grundsätzlich neue

Anwendungsbereiche. Technisch gesehen lässt sich durch eine Kanalbündelung und der Zuweisung von mehreren Frequenzblöcken eine sehr hohe Bandbreite unter Berücksichtigung von geringerer Reichweite für den einzelnen Nutzer realisieren. Die Anforderungen an das Netz bezüglich der Kapazitäten wird vor allem durch die steigenden Nutzerzahlen getrieben. Es sollen sich zukünftig nicht nur menschliche Nutzer im Netz befinden, sondern auch mehr physische Gegenstände für den gewerblichen und privaten Zweck. Mit Hilfe von Small Cells werden hier auf kurze Distanz von bis zu 150 Metern neue Zellen für die Gebiete bereitgestellt, wodurch höhere Kapazitäten realisiert werden können.
Zusätzlich kommen Mehrantennen-Systeme zur weiteren Steigerung der Kapazitäten und Zuverlässigkeit zum Einsatz. Dabei wird dem Nutzer das Verwenden mehrerer Sende- und Empfangsantennen zur Kommunikation ermöglicht. Im Zuge der Mehrantennen-Systeme wird mit Hilfe von Beamforming eine gezielte Ausrichtung der Senderichtung zum Endgerät ermöglicht. Die Verbreitung des Signals weg von der kreisförmigen Ausbreitung zur punktuellen Ausrichtung führt zu angepassten Sendeleistungen, Reduzierung des Energiebedarfs im Sender und geringeren Störungen in der Kommunikation.
Oft haben unterschiedliche Nutzer auch unterschiedliche Anforderungen an das Netz. In dem zukünftigen Netz ist es daher von großer Bedeutung das physische Netz in unterschiedliche virtuelle Netze mit klar definierten Qualitätsmerkmalen zu unterteilen. Dabei können dem Nutzer bestimmte Parameter fest zugesichert werden. Networkslicing beschreibt diese Unterteilung der Netze in Scheiben und die Implementierung einer Intelligenz in den Funkstationen.
Entlang dieser technischen Grundprinzipien gibt es viele neue Technologien, um ein intelligenteres und flexibleres Netz zu erstellen. Zusätzlich ist ebenfalls der Glasfaserausbau für 5G von großer Bedeutung, denn ohne die Anbindung der Mobilfunkstationen mit Glasfaserkabeln an das Kernnetz kann die neue Technologie nur begrenzt verwendet werden [5].

3. Analyse – Karliczek

Karliczeks derzeitiger beruflicher Tätigkeit zufolge, liegt die Diskussion um 5G eindeutig in ihrem Zuständigkeitsbereich: Seit Anfang 2018 ist sie als Ministerin im Kabinett Merkel in einem hohen Maß an politischen Entscheidungen unter anderem zum technischen Fortschritt in der Bundesrepublik beteiligt. Sie folgt auf Johanna Wanka, eine Professorin für Informatik und Mathematik. Karliczek selbst hat eine wirtschaftswissenschaftliche Laufbahn absolviert. Ihre Motivation für die Einarbeitung in ihr Amt hat sie bereits bekräftigt: Sie werde „fragen, fragen, fragen“ [6].

Ihre interessierte Haltung wurde bereits von Mitarbeitern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) positiv hervorgetan. [7]
In einem Interview, dessen Bedeutung hier allerdings noch nicht weiter untersucht werden soll, nimmt sie unter anderem Stellung zu ihrem „Milchkannen“-Zitat. Auffällig ist dabei vor allem ihre Wortwahl, sie geht davon aus, beizeiten 5G auf ein flächendeckendes 4G-Netz „draufsetzen“ [8] zu können. Wie anfangs bereits erläutert, sind 4G und 5G entgegen der Namensgebung alles andere als äquivalent. Die Vorstellung, 5G handele sich lediglich um ein Inkrement von 4G, das nur die bestehende Infrastruktur weiternutzt, ist nichtzutreffend. Teilweise können vorhandene Basisstationen durchaus um 5G erweitert werden, jedoch unterscheidet sich 5G bezüglich der Netztopologie von seinem Vorgänger. Es ist vorgesehen, dass, abhängig vom Bedarf und anderen Anforderungen, wie z.B. der Anzahl der zu versorgenden Geräte auf einem Fabrikgelände, 5G-Netze mit unterschiedlicher Dichte errichtet werden (s. Abbildung 1).

Da 5G-Funkzellen frequenzbedingt kleiner sind, bedarf es der Errichtung einer großen Anzahl neuer Stationen. [9] Selbst, wenn von einem flächendeckenden 5GAusbau ausgegangen wird, trägt ein gut ausgebautes 4G-Netz nur einen Teil zum 5G-Ausbau bei: Durch gestiegene Anforderungen lassen sich Netzelemente nicht immer einfach um 5G-Komponenten erweitern, sondern müssten teils kostspielig umgerüstet werden, sofern eine Umrüstung in einigen Fällen überhaupt möglich ist. [10]

Es lässt sich eine eher einfache und wenig präzise, wenn nicht gar falsche Wortwahl der Ministerin feststellen. Zwar handelt es sich nur um einen einzelnen Auszug, jedoch ist bereits ein falsches Grundverständnis des Themas erkennbar. Sehr wahrscheinlich ging daher der Äußerung eine nur oberflächliche Auseinandersetzung mit dem Thema voran. Am Tag ihrer Designation als Ministerin des BMBF legte Karliczek den Begriff „konservativ“ als etwas aus, das dem Fortschritt nicht im Weg stünde. [11]

Die Gesamtheit ihrer Handlungen lässt allerdings eine Linie durchblicken, die ihrer Auslegung stark und konsequent widerspricht. Besondere Bekanntheit hat ihre Äußerung erlangt, dass jeder technologische Fortschritt sich hinter dem christlichen Menschenbild einzureihen habe. [12]
Als CDU-Politikerin ist zwar eine konservative Politik ihrerseits zu erwarten. Einige ihrer Standpunkte haben aber bereits innerparteiliche Kritik ausgelöst, darunter ihre Äußerung zu 5G in der Landwirtschaft. [13]
Es zeichnet sich die Problematik ab, dass Karliczek selten alle Fakten zu kennen oder zu berücksichtigen scheint. Ein weiteres Beispiel ist ihre Stellungnahme zum Einfluss der Erziehung von Kindern durch homosexuelle Paare, in der sie Untersuchungen forderte, die schon durchgeführt worden sind und deren Ergebnisse längst bekannt waren. [14]

Besonders fatal ist ein mangelhafter Wissensstand in der Diskussion um den 5G-Ausbau, der sich durch besondere Komplexität auszeichnet und daher ein umfassendes Sachverständnis erfordert. Durch ihre spärliche Begründung ist nicht ersichtlich, weshalb Karliczek dem 5G-Ausbau auf dem Land überhaupt die Priorität abspricht. Die vor allem sehr kurze Aussage, 5G würde nicht an jeder Milchkanne benötigt, lenkt den Fokus auf ihr einziges angeführtes Argument, 4G würde ausreichen. Die beiden Mobilfunkstandards sind konzeptionell schwer zu vergleichen. Sollten Verbindungen mit 4G nur grundlegend schneller sein und neue Funktionen bereitstellen, gestaltet sich eine Analyse von 5G schwieriger.
Für 5G wurden zwar ebenfalls Leistungsmerkmale, wie beispielsweise ein um 90% reduzierter Energieverbrauch, vereinbart. Ebenso in einigen weiteren Punkten ist eine Teilmenge von 5G seinem Vorgänger sehr ähnlich, nämlich wenn es um eine reine Leistungssteigerung bzw. Steigerung von Kennwerten geht. Ferner lässt sich 5G ähnlich wie 4G in Bestandteile, z.B. in ein Kern- und Zugangsnetz aufteilen. Bezeichnend und ein Alleinstellungsmerkmal für 5G ist allerdings ein gewisses Umdenken: Insgesamt soll eine leistungsfähige physikalische Infrastruktur bereitgestellt werden, auf der Softwareschichten abstrahierend aufsetzen. Als große Anwendungsbereiche wurden Massive IoT (mIoT), Enhanced Mobile Broadband (eMBB) und Ultra-Reliable Low-Latency Communications (URLLC) mit entsprechend verschiedenen Anforderungen an das Netz definiert. [15]

5G ist somit flexibler gestaltet, bringt einen erweiterten Funktionsumfang und Zukunftssicherheit mit sich und wird damit einer immer stärker vernetzten Welt gerecht. Der Ausbau von 5G ist daher ein notwendiger Schritt. Jedoch: Angesichts der eher schlechten Mobilfunkabdeckung in Deutschland [16] erscheint jedenfalls ein Teil der Aussage Karliczeks, 5G sollte ein flächendeckendes 4G-Netz zur Grundlage haben, nicht abwegig. Ungeachtet dessen, dass sich 5G nicht ohne Weiteres auf 4G „draufsetzen“ lässt, stellt sich die Frage, an welcher Stelle die Politik Prioritäten zu setzen hat. Sollte sich zuerst auf den Ausbau des flächendeckenden 4G-Netzes konzentriert werden, obwohl andere Länder bereits ihren 5G-Ausbau vorantreiben? Trotz der unterschiedlichen zugrundeliegenden Technologien besitzen beide Netze einen bereits hohen bzw. zunehmenden Stellenwert. Daher kann nicht einfach zugunsten einer Technologie entschieden werden: Auf den weiteren Ausbau des bereits bestehenden 4G-Mobilfunknetzes hinzuweisen ist zwar berechtigt, jedoch sollte Karliczek nicht unmittelbar von einer Notwendigkeit für 5G sprechen. Zwar greift 5G zum Teil stark, vor allem in seiner Anfangsphase, auf bestehende 4G-Infrastruktur zurück. Die unzureichende Abdeckung mit 4G sollte für die Entwicklung von 5G trotzdem nur einen kurz- bis mittelfristigen Mangel darstellen, der akzeptiert und berücksichtigt werden muss, während andererseits der Ausbau des 4G-Netzes bis zur Flächendeckung durchgeführt zu werden hat.

5G als „nicht an jeder Milchkanne notwendig“ zu bezeichnen, zeigt darüber hinaus ein falsches Bild der Realität: „Milchkanne“ synonym für ländliche Regionen zu verwenden bedeutet, 5G würde auf dem Land, insbesondere in der Landwirtschaft, größtenteils nicht benötigt werden. Die Milchkanne als Begriff im Kontext des Zitats weckt Assoziationen, die wenig mit Fortschritt gemeinsam haben. Daher mag Karliczeks Einwand zuerst richtig und 5G möglicherweise sogar als obsolet für die Landwirtschaft erscheinen. Bei näherer Betrachtung fallen einige dazu in Widerspruch befindliche Sachverhalte auf. Im Zuge der Automatisierung und Digitalisierung in allen Arten von Produktionsstätten wurde für die Landwirtschaft im Speziellen das Schlagwort „Landwirtschaft 4.0“ geschaffen. Besonders prägt den Begriff die zunehmende Vernetzung von Maschinen. [17]

Das Fraunhofer-Institut prognostiziert eine Entwicklung bis hin zur vollständigen Autonomie in einigen Teilbereichen der Landwirtschaft. [18] Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Landwirtschaft längst einen digitalen Wandel durchlebt (s. Abbildung 2). Den 5G-Ausbau aufgrund mangelnder Anwendungsszenarien verwehren zu wollen, ist nicht nachvollziehbar. Karliczeks Einwand käme einer künstlichen Barriere gleich. Entwicklungen in anderen Bereichen, wie beispielsweise die Digitalisierung für die Industrie 4.0, werden aktiv vorangetrieben. Dazu kommt, dass für den 5G-Standard, ähnlich wie für andere Technologien, Anwendungsfälle anfangs nur teilweise vorhergesehen werden können.
Aus diesem Grund wurden für 5G, wie bereits erläutert, Vorkehrungen für ein gewisses Maß an Zukunftssicherheit getroffen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird 5G deshalb für Anwendungsfelder, die in Zukunft erst noch erschlossen werden, eine Basis darstellen können. Mit keiner Gewissheit kann Karliczek daher behaupten, 5G würde im landwirtschaftlichen Sektor nicht benötigt werden.    

4. Die Zukunft mit 5G

Mit dem flächendeckenden Ausbau, auch auf dem Land, sollten wir uns nicht mehr zu viel Zeit lassen (Vgl. [19]), um von den Vorteilen zu profitieren und den wirtschaftlichen Standpunkt der Bundesrepublik Deutschland weiter auszubauen.
Mit der stetigen Einführung von 5G werden immer mehr Möglichkeiten Realität. Dabei sollte zwischen öffentlich zugänglichen Netzen, die für die allgemeine Bevölkerung zugänglich sind und privaten Netzen unterschieden werden, welche viel genaueren Richtlinien entsprechen und auf den individuellen Einsatz sehr speziell eingerichtet werden können. Die sogenannten Campus-Netze sind Mobilfunknetze für einen speziellen Bereich, wie zum Beispiel einen modernen digitalisierten Bauernhof, aber auch Flughäfen oder Paketverteilzentren sind mögliche Anwendungsgebiete.
Hier könnte für einen Bauernhof ein Netz mit kurzer Reaktionszeit etabliert werden, damit autonomes Fahren auf dem Gebiet möglich ist. Die Getreideernte kann so unterstützt werden, in dem der Traktor autonom das gegebene Feld perfekt abfahren, dabei besonders effiziente Wege finden und so in Echtzeit (1-10 ms Latenz) auf Zustände reagieren kann. Die gesammelten Daten können direkt erfasst und ausgewertet werden und per Maschine-zu-Maschine-Kommunikation kann die intelligente Produktionsstraße exakte Prognosen über die Fertigstellung und Lieferung bieten.
Mittels Echtzeitanalysen kann der Produktionsausstoß erhöht werden [20]. Ferner wird der Einsatz von Internet of Things (IoT) Anwendungen steigen, was für mehr Sicherheit für den Verbraucher sorgt. Zuletzt gab es einen Milchskandal, bei dem durchfallerregende Bakterien in der Milch gefunden wurden [21]. Diese konnten erst nach einer Routineuntersuchung festgestellt werden. Auch in diesem Fall könnte die Produktionsanlage an ein privates 5G-Netz angeschlossen werden, sodass genaue Sensoren die Verunreinigung direkt mitteilen können. Der Verbraucher kann durch die vernetzte Produktion noch besser geschützt werden. IoT mit 5G zusammen bietet sehr gute Lösungen für eine effizientere Arbeitsweise durch die Optimierung von Teilschritten bei der Produktion bis hin zur Auslieferung, da stets die Position und der Zustand von Gütern übermittelt werden können.

Doch nicht nur auf ab-getrennten Bereichen soll 5G eine Rolle spielen. Weitere Anwendungsgebiete liefert auch das Kommunikationsnetz für den privaten Gebrauch. Eine bereits eingeführte Erweiterung der Kartenanwendung Google Maps liefert dem Nutzer nun durch die Kamera des Smartphones und einem AR-Core (Augmented Reality) im Gerät eine neue Ansicht zur Navigation zu Fuß. Der Nutzer kann sich nun umschauen und erhält auf seinem Gerät in der Realität Markierungen an Gebäuden und bekommt damit Informationen dazu. Mit dem neuen Mobilfunkstandard und der geringeren Latenz von bis zu 1 ms können dem Anwender nun Ergebnisse in Echtzeit geliefert werden. Denkbar sind hier auch Tipps für Touristen zu Sehenswürdigkeiten.
Mit der erhöhten möglichen Verbindungsdichte von bis zu 1 Million Geräte per km2 statt 10.000 per km2 im Vergleich zu 5G ist diese neue Technologie auch in Großstädten möglich. Damit rückt der Begriff Smart City [22] in den Vordergrund. Es kann dadurch nicht nur für den Verbraucher ein Vorteil entstehen, sondern für unseren kompletten Planeten. Durch 5G in den Städten kann Strom eingespart werden, wenn smarte Straßenlaternen sich mit Fußgängern beziehungsweise ihren Smartphones vernetzen oder auch annähernden Autos. So kann das Licht herunter gedimmt werden, sofern kein Licht mehr benötigt wird.
Um Schadstoffemissionen von Autos weiter zu reduzieren, ist auch die Idee von smarten Parkplätzen von großer Bedeutung. So kann an das Smartphone übermittelt werden, wo ein freier Parkplatz verfügbar ist und dieser direkt reserviert werden. Dadurch kann eine lange Parkplatzsuche verhindert werden. Auf dem Weg zum Parkplatz kann dabei gleich eine intelligente Ampelschaltung den Verkehr so steuern, dass Ampelsysteme auf herannahende Autos reagieren können und so das Bremsen, verbunden mit dem erneuten Anfahren, vermeiden.

Es zeichnet sich der Trend ab, dass in dicht besiedelten Gebieten die Anwendungsfälle von 5G wesentlich höher sind als auf dem Land, da wesentlich mehr Einzelsysteme von gemeinsam gesammelten Daten profitieren können und diese zielbringend einsetzen können. Außerhalb von Städten, Fabriken und Logistikzentren spielt 5G im Zusammenhang mit Effektivität und Nutzen momentan eine eher untergeordnete Rolle.

5. Evaluation

Um den Bericht an dieser Stelle einmal kritisch zu betrachten, liegt das Hauptaugenmerk auf den Autoren. Sie sind alle Informatikstudenten und dem Thema gegenüber vorbelastet. Man kann davon ausgehen, dass jeder Einzelne, sei es privat oder im Rahmen des Studiums, sich bereits mit dem Thema 5G auseinandergesetzt hat und die ganze Thematik dementsprechend voreingenommen bearbeitet wurde.

Der Artikel wurde, wie bereits beschrieben, von mehreren Autoren verfasst, wobei jeder einzelne für ein Kapitel verantwortlich war. Das Verfassen und das anschließende Zusammenführen einzelner Kapitel bringt natürlich einige Probleme mit sich. Verschiedene Autoren verfassen ihre Texte unterschiedlich, was zu einer inkonsistenten Formulierung führen kann. Zusammenfassend muss man vermerken, dass Frau Karliczek ihre Aussage bereits korrigiert bzw. verändert hat. Laut eigenen Aussagen hat Frau Karliczek ein falsches Bild gewählt, um ihre Nachricht zu übermitteln und sie würde die Aussage auch nicht noch einmal treffen. Dieser Bericht bezieht sich allerdings zu großen Teilen auf das von Frau Karliczek kreierte falsche Bild. Jedoch befasst sich der Artikel auch mit der Revision von Frau Karliczek und wie oben bereits beschrieben, war auch ihre angepasste bzw. veränderte Aussage aus technischer und wissenschaftlicher Sicht wieder nicht korrekt.
Betrachtet man abschließend die Quellen bezüglich des Zitats von Frau Karliczek, bemerkt man, dass hauptsächlich Medienberichte als Quellen verwendet wurden. Bekanntlich sind Medienberichte selten objektiv und in der Regel thematisch voll umfassend. Man muss also bedenken, dass die Quellen möglicherweise nicht detailliert genug, unvollständig oder einfach ungenau gewesen sein können. Angesichts des bisherigen Verlaufs von Ausbauten der vorherigen Mobilfunknetzupgrades ist zu erwarten, dass der Ausbau vorrangig in Großstädten erfolgen wird und die Landwirte sich ein eigenes sog. Campusnetz [23] für ihren lokal begrenzten Anwendungsfall errichten werden, da der Ausbau vorrangig nur dort getätigt werden wird, wo er für die Netzbetreiber wirtschaftlich sinnvoll ist.
Die Deutsche Telekom hat beispiels-weise angekündigt, bis zum Ende des Jahres 2020 bereits die 20 größten Städte Deutschlands an das 5G Netz anzubinden und 300 aktive 5G-Antennen in Betrieb nehmen zu können [24]. Laut Vodafone sollen im Frühjahr 2020 über 160 aktive 5G-Antennen aufgebaut und betriebsbereit sein [25].
Die Implikation der Aussagen Karliczeks, 5G sei nicht überall flächendeckend notwendig, lässt sich vor allem durch den geringeren Energieverbrauch der 5G-Technik mittels Beamforming [26] hinsichtlich der Notwendigkeit eine globale CO2-Ausstoßreduzierung vorzunehmen, widerlegen.

Quellen

  • [2] Stephan Ebmeyer. Gut 6,5 Milliarden Euro für 5G. 12. Juni 2019. auf: https: //www.tagesschau.de/inland/bundesnetzagentur-5glizenzen-101.html (Zugriff am 30. 10. 2019).
  • [3] Was ist 5G? Grundwissen zum Netz der Zukunft. 24. Sep. 2018. auf: https: //www.telekom.com/de/konzern/details/was-ist-5g-grundwissen-zum-netz-der-zukunft-542352 (Zugriff am 31. 10. 2019).
  • [4] Markus Balser. Die Digitalisierung revolutioniert die Landwirtschaft. 18. Jan. 2019. (Zugriff am 30. 10. 2019).
  • [6] ntv. Karliczek überrascht von Ministeramt. 27. Feb. 2018. auf: https:// www.ntv.de/politik/Karliczek-ueberrascht-von-Ministeramt-article20309594.html (Zugriff am 29. 10. 2019).
  • [11] Gerd-Joachim von Fallois. Interview mit Anja Karliczek beim Parteitag der CDU am 26.02.18. 26. Feb. 2018. auf: www.youtube.com/watch? v=Nfe-Jlzfdo0 (Zugriff am 31. 10. 2019).
  • [13] Spiegel Online. Bildungsministerin Karliczek weiter in der Kritik. 25. Nov. 2018. auf: www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/5g-netza usbau-lars-klingbeil-kritisiert-anja-karliczek-a-1240285.html (Zugriff am 31. 10. 2019).
  • [14] Tagesspiegel. Kritik an Karliczek wegen Äußerungen zur Ehe für alle. 22. Nov. 2018. auf: www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/ bundesbildungsministerin-kritik-an-karliczek-wegen-aeusserunge n-zur-ehe-fuer-alle/23668710.html (Zugriff am 12. 11. 2019).
  • [15] Fraunhofer-Gesellschaft. Mobilfunktechnologie 5G. 2019. auf: www. fraunhofer.de/de/forschung/aktuelles-aus-der-forschung/5g-die-zukunft-im-netz.html (Zugriff am 12. 11. 2019).
  • [16] Thiemo Heeg. Deutschland im Mobilfunk nur auf Rang 70 der Welt. 6. Aug. 2019. auf: www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/ netzabdeckung-deutschland-im-4g-mobilfunk-weltweit-auf-platz-70-16321069.html (Zugriff am 11. 12. 2019).
  • [17] Stefan Krempl. Landwirtschaft 4.0: Schwarz-Rot will 5G auf allen Äckern und Wiesen. 16. Mai 2019. auf: www.heise.de/newsticker/meldung/ Landwirtschaft-4-0-Schwarz-Rot-will-5G-auf-allen-Aeckern-und-Wiesen-4424141.html (Zugriff am 11. 12. 2019).
  • [18] Jörg Dörr et al. Autonome Landwirtschaft in 2045? Neue Studie über die Autonomisierung von Landmaschinen. 8. Nov. 2019. auf: www.iese. fraunhofer.de/de/presse/current_releases/PM_2019_1108_autonome-landwirtschaft.html (Zugriff am 13. 12. 2019).
  • [19] 5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig. 21. Nov. 2018. auf: https: //www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/anja-karliczek-5g-muss-an-zentralen-stellen-vorhanden-sein-15902015.html (Zugriff am 29. 10. 2019).
  • [20] Campus-Netze: Telekom startet mit Angeboten für die Industrie. auf: https: //www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/camp us-netze-neue-angebote-fuer-die-industrie-584008 (Zugriff am 29. 10. 2019).
  • [22] SMART CITY KONZEPTE MIT 5G. auf: www.telekom.de unterwegs/was-ist-5g/5g-smart-city (Zugriff am 29. 10. 2019).
  • [23] 5G Technologie in industriellen Campus-Netzen. auf: www.telekom .com/de/konzern/details/5g-technologie-in-campus-netzen-556690 (Zugriff am 06. 11. 2019).
  • [24] 5G Mobilfunk: Alles zum neuen Mobilfunknetz. auf: www.telekom. de/unterwegs/was-ist-5g/5g-mobilfunk (Zugriff am 06. 11. 2019).

 

 

 

 

Abbildung 1: Topologie von 4G- und 5G-Funkzellen
Abbildung 2: „Nutzen Sie digitale Anwendungen im Sinne von Landwirtschaft 4.0?“ (in Anlehnung an Bitkom Research 2016)

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