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Cloud Computing für KMU

Prof. Dr.-Ing. Sabine Wieland

Interview der Funkschau, Ausgabe 18/2012 mit Frau Profn. Dr.-Ing. Sabine Wieland, Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL)

Cloud-Computing birgt viele Vorteile und immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen wissen diese für sich zu nutzen. Das Marktvolumen für den Dienst aus der Wolke wird sich daher in den nächsten Jahren vervielfachen. Über das Potenzial, Gefahren und die Zukunftsfähigkeit von Cloud-Computing berichtet Frau Prof. Dr.-Ing. Sabine Wieland von der Hochschule für Telekommunikation Leipzig im Interview mit der funkschau.

1. Für viele mittelständische Unternehmen ist es eine große Herausforderung, IT effektiv und sicher zu betreiben. Wie können diese Unternehmen vom Cloud Computing profitieren?

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist das Cloud Computing eine gute Alternative zu den bisherigen genutzten IT-Systemen: der Administrationsaufwand fällt weg, für Wartung ist kaum eigenes Fachpersonal notwendig und Sicherheit sowie Verfügbarkeit können den gesetzlichen und betrieblichen Erfordernissen angepasst und vertraglich vereinbart werden.

Ein sehr wichtiger Aspekt gerade für kleinere Unternehmen sind auch die überschaubaren Kosten. Das Unternehmen zahlt nämlich idealerweise nur die Dienste, die es auch genutzt hat.

Profitieren können die Cloud-Nutzer von der aktuellen Hard- und Software, die der Anbieter mit seinem Angebot zur Verfügung stellt. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet dies eine deutliche Kostenersparnis, da das IT-Budget meist begrenzt ist und aktuelle und hochwertige IT-Strukturen regelmäßige Investitionen erfordern. Aktuelle Hard- und Software in ein bestehendes System einzupflegen erfordert umfangreiche Tests und Administration, die von KMU kaum betrieben werden können.

2. In aktuellen Diskussionen zum Cloud-Computing wird vor allem die Datensicherheit oft sehr kritisch gesehen. Wie ist es tatsächlich um die Sicherheit bestellt und was tun Cloud Computing-Anbieter, um entsprechende Daten zu schützen?

Aktuelle Studien zum Thema „Sicherheit“ belegen, dass mit Cloud Computing die erforderlichen Datenschutzrichtlinien und hohen Sicherheitsstandards eingehalten werden können. Laut statistischem Bundesamt haben 2010 nur 33% der KMU eine IKT-Sicherheitspolitik, obwohl über 80% einen Internetzugang nutzen. Hier existiert eine große Sicherheitslücke, die meist von den Firmen erst wahrgenommen wird, wenn ein Datenverlust eingetreten ist. Vor allem kleinere Unternehmen, die oftmals nicht über das nötige Wissen verfügen können, profitieren von den Erfahrungen der Anbieter beim Implementieren und Betreiben sicherer Services wie dem Cloud Computing.

Mit einer BSI Zertifizierung auf Grundlage der neuen BSI Zertifizierungsverordnung (an deren Erarbeitung der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) mitwirkt) können Cloud-Anbieter zusätzlich zeigen, dass sie die Standards einhalten und die angebotenen Dienste ohne Vorbehalte genutzt werden können.

3. Die Anforderungen an die IT-Systeme sind heutzutage sehr vielfältig, sodass mittelständischen Unternehmen oftmals das Expertenwissen fehlt, um alle relevanten Gebiete abzudecken. Die richtige Wahl des Cloud-Anbieters ist daher umso wichtiger. Was ist hierbei zu beachten?

Wenn es um die Wahl des richtigen Anbieters geht, sollten die Unternehmen, wie eben schon kurz angedeutet, auf die sogenannte „BSI-Zertifizierung“ achten. Anbieter mit dieser Zertifizierung bieten meist schon länger verschiedene IT-Dienste an und verfügen somit bereits über geschultes Personal sowie eine umfangreiche IT Infrastruktur. Zusätzlich verpflichtet das Zertifikat die Anbieter, die ihnen anvertrauten Daten zu schützen und sich regelmäßigen Sicherheitsaudits zu unterziehen.

Ein weiteres positives Zeichen kann der Anbieter setzen, indem er seine Datenschutz- und Sicherheitsbestimmungen und sein Angebot so transparent wie möglich darstellt. Wichtige Aspekte können hier zum Beispiel die Nennung des Datenstandorts und der Umgang mit Kundendaten sein.

4. Da das Geschäftsmodell des Cloud Computing noch relativ neu ist, werden auch die Vertragsvereinbarungen mit dem Cloud-Anbieter jeweils neu verhandelt. Welche Aspekte sollten dabei auf jeden Fall berücksichtigt werden?

In der Vereinbarung mit dem ausgewählten Cloud Anbieter sollten die Leistungen und die zugesicherte Verfügbarkeit der Dienste definiert sein. Außerdem sollten beide Parteien festhalten, wie bei einer Verletzung durch den Anbieter bzw. den Nutzer zu verfahren ist. Wenn zum Beispiel die erforderlichen Daten nicht zugänglich sind oder der Nutzer mehr Ressourcen nutzt als vereinbart, so muss dies entsprechend in der Vereinbarung geregelt sein.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Rückgabe der Daten an den Nutzer bei Vertragsende, Veräußerung des Anbieters an einen Dritten oder bei Insolvenz. Die Daten müssen dann sicher und vollständig an das Unternehmen zurückgeführt werden. Die BITKOM hat zu diesem Thema auch einen Leitfaden mit einer Checkliste für die Ausfertigung der Vertragsvereinbarungen erstellt, welcher auf der Internetseite www.bitkom.org heruntergeladen werden kann.

5. Ist Cloud Computing ein zukunftsfähiges Modell, das sich nachhaltig in den verschiedenen Geschäftsfeldern und Organisationen durchsetzen wird?

Cloud Computing wird bereits von verschiedenen Firmen seit Jahren erfolgreich für Kunden angeboten und betrieben. Die dabei angebotenen Dienste erfüllen alle Kriterien des Cloud Computing. Der Branchenverband BITKOM rechnet mit einem Wachstum der Nutzung des Cloud Computing in Deutschland für 2012 von fast 50 Prozent, was etwa fünf Milliarden Euro entspricht.

Kleine Firmen planen häufig erst dann Veränderungen in der IKT, wenn sie den aktuellen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine hohe Anzahl von verschiedenen Angeboten und Diensten verwirrt meist. In den Firmen fehlt häufig auch entsprechendes Fachwissen und kann außerdem nicht kurzfristig erlangt werden, da Kenntnisse zu Hardware, Betriebssystemen, Anwendungen, Netzwerktechnik und Netzwerkprotokollen, Sicherheit etc. notwendig sind. Ein IKT-Verantwortlicher in einem kleinen Unternehmen kann nicht auf jedem der genannten Bereiche Experte sein. Es ist aber grundsätzlich falsch, den Firmen fehlendes Verständnis vorzuwerfen. Ein KMU kann objektiv keine IKT auf dem neuesten Stand der Technik betreiben, da es wirtschaftlich nicht realisierbar ist. In meinen Augen bieten hier die Cloud Dienste eine sinnvolle Alternative.

Abschließend lässt sich sagen, dass für die Cloud Dienste noch die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Besonders das Datenschutzgesetz muss angepasst werden. Auch in diesem Prozess ist die BITKOM aktiv. Ich bin daher zuversichtlich, dass bei Auswahl des passenden Partners 'Cloud Computing' gerade für KMUs einen deutlichen Mehrwert für einen nachhaltigen Geschäftserfolg bietet.

 

 

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