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Testament 2.0

Haben Sie sich bereits Gedanken darüber gemacht, was mit ihren digitalen Daten passiert, wenn Sie sterben? Was ist beispielsweise mit ihren Fotos auf Flickr, ihrem Guthaben auf Paypal, ihren Geschäftskontakten auf Xing, ihrem Austausch mit Facebook-Freunden und ihren eigenen Domains? Wenn Sie nun denken „Stimmt, darum müsste ich mich mal kümmern.“, dann gehören Sie zur Mehrheit der User, denen es genauso geht, aber auch zu denen, die bisher nichts unternommen haben. 

Getreu der Maxime: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“ (Epikur von Samos) legen zwar über 70 % der User großen Wert auf einen geregelten Nachlass, aber nur ca. 10 % haben tatsächlich ein eigenes Testament aufgesetzt. 57 % der Internetnutzer erwarten, dass sich der Erbe um den digitalen Nachlass kümmert, aber bei über 50 % fehlt jeglicher Zugriff auf Logins und vertrauliche Daten. Dieses sind nur einige Studienergebnisse der berufsbegleitenden Studierenden der Wirtschaftsinformatik von der Hochschule für Telekommunikation Leipzig im Rahmen des Moduls „Marketing & CRM“ bei Prof. Dr. Christiane Springer.

Impuls für diese ungewöhnliche Projektarbeit  war eine Anfrage der Telekom Deutschland GmbH, die das Projekt „Digitales Testament“ im Rahmen des Inkubatorenprogramms uqbate eruiert. Projektleiter Daniel Rohnert arbeitet mit einem Team aus verschiedenen Konzerneinheiten an der Möglichkeit einer digitalen Nachlassplanung. Damit will das Team nicht nur den Nutzern, die ihre digitale Nachlassplanung durchführen wollen, unterstützend zur Seite stehen, sondern auch den Hinterbliebenen bei der Umsetzung des letzten Willens Hilfestellung anbieten. Ein weiterer Aspekt ist, dieses Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Zudem soll im Rahmen der Möglichkeiten auch die politische und gesetzgeberische Diskussion mitgeführt werden, ebenso die Frage nach einer Standardisierung.

Das Thema digitales Testament ist kein Neues. In den USA haben sich entsprechende Anbieter solcher Dienstleistungen bereits gegründet. Einige wenige Staaten haben dazu ihre Gesetzgebung angepasst. In Deutschland ist es, je nach dem was vererbt werden soll, „noch eine Grauzone“ bestätigt der Deutsche Anwaltsverein. Dieser hat bereits eine Änderung verschiedener Gesetzestexte vorgeschlagen. Auch die Verbraucherschützer, einige Bestatter und der BITKOM e.V. haben dieses Thema bereits näher betrachtet.

Ein großes Problem stellt hier das Zusammenspiel des Erbrechts, Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Fernmeldegeheimnis, TKG und den AGBs der einzelnen Websitebetreiber dar. So kann nicht alles, was digital vorliegt, auch tatsächlich im klassischen Sinne vererbt werden. Es ist nach wie vor strittig, ob eine E-Mail auf dem PC eines Verstorbenen auch an die Erben übergeht und ob dies erst recht für die Informationen gilt, die noch auf dem Server der Anbieter liegen. Auch der Medienbruch ist ein kritischer Punkt, denn aktuell sind nur Testamente gültig, die vom Notar beglaubigt oder handschriftlich verfasst und unterschrieben sind. Hier ist der Gesetzgeber gefragt für Klarheit und Einfachheit zu sorgen.

 

 

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